der unentspannte Mann
Ralf ist unzufrieden. Mit seinem Job. Mit seiner Figur. Mit seinem Leben. Nichts passt mehr. Er ist gereizt, scheinbar immer wütend. Und kraftlos.
Auf der Arbeit hat der ungeliebte Kollege die Beförderung bekommen. Er wieder einmal nicht. Dabei ist Ralf schon viel länger Teil des Konzerns, reißt Überstunden, macht alles, was verlangt wird. Und noch mehr.
Ralf rauft sich die Haare. Wenigstens die sind noch da.
Er schaut aus dem Fenster. Es schneit.
Es sieht alles pittoresk aus.
Und, wieso auch immer, der Anblick ärgert ihn maßlos.
Ralf fühlt sich gemobbt.
Dabei hat er für diese Arbeit wirklich alles gegeben.
Und aufgegeben.
Sport macht er seit Jahren nicht mehr. Die Bewältigung einer Treppe lässt ihn außer Atem kommen.
Die Freundin ist vor 6 Monaten ausgezogen. Nach einer schier endlosen Zeit des Nörgelns: Wieso er eigentlich nie daheim sei? Und so zugenommen habe? Und weshalb, in aller Welt, er prinzipiell sämtlichen privaten Verabredungen so gekonnt aus dem Weg ginge, dass es schon fast eine eigene Kunstform sei?
„Jaja“, hatte er damals geantwortet. „Siehst du denn nicht, was ich für uns alles tue? Ich gehe nicht einmal mehr ins Fußballtraining, damit wir uns noch sehen!“
Hatte ihr nicht gereicht.
Mittlerweile ist er 36 Jahre alt und nahezu 140 kg schwer. Und für das Gewicht ist er nun wirklich deutlich zu klein, mit seinen 176 cm. Da hilft keine Ausrede mehr.
Ralf springt auf, schlägt seine Bürotür zu und wirft den nächsten greifbaren Gegenstand durch den Raum: Eine noch verschlossene Tütensuppe.
„Es muss sich nun wirklich etwas ändern“, verspricht er sich selbst – und in genau diesem Moment überrollt ihn eine Hitzewelle. Der Schweiß rinnt ihm binnen einer Minute den Rücken hinunter, durchnässt sein akkurat gebügeltes, weißes Hemd. Das Raumthermometer zeigt 20 Grad Celsius an. Wie kann ihm nur so heiß sein?
Ralf reißt das Fenster auf und lässt sich auf seinen Bürostuhl plumpsen.
„Wie unsportlich bin ich denn!? Einmal aufspringen, Tür zuwerfen, etwas schmeißen – davon direkt eine solche Reaktion?“, fragt er sich selbst mit einem undeutlichen Knurren.
Seine Herzschlagrate geht rasant nach oben.
Er fühlt sich flau und schwummerig.
Soll er einen Notarzt rufen?
Jemanden aus seinem Büro alarmieren?
Die Hitzewelle macht ihn nervös – doch noch ehe er sich entschieden hat, wie nun vorzugehen sei, ebbt das Gefühl ab.
Er schließt die Augen, lehnt sich zurück. Ralf fühlt sich erschöpft, ein bisschen erleichtert, aber auch immer noch nervös. Klopft sein Herz ein bisschen unregelmäßig? … Bisher war er von größeren Erkrankungen verschont geblieben…
Was hat er denn bloß?
Wer ist der Bösewicht?
Ja, was hat Ralf bloß?
Ralf hat ein Hormonproblem.
Testosteron ist ein Steroidhormon, das unter anderem das „Wohlfühlhormon“ des Mannes ist. Sinkt es zu stark ab, werden Männer u.a. weniger belastbar, dafür jedoch reizbarer und aggressiv. Die Bildung wird zum Beispiel von körperlicher Arbeit oder Sport angeregt – also immer dann, wenn die Muskulatur beansprucht wird. Bei Übergewicht ist – physiologisch – der Anteil des Fettgewebes höher als der des Muskelgewebes. Dies kann dazu beitragen, dass der Testosteronspiegel sinkt.
Cortisol ist das sogenannte „Stresshormon“. Es trägt dazu bei, dass man in der Lage ist, gefährliche oder stressige Situationen zu bewältigen: In diesen Momenten und Phasen steigt der Cortisolspiegel an. Damit auch die Herzschlagrate und der Blutdruck. Bei dauerhaft hohen Spiegeln wirkt Cortisol als Gegenspieler zu Testosteron, sodass der Testosteronspiegel weiter absinken kann.
Ralfs Symptome – Reizbarkeit, privater Rückzug, hohe Stressbelastung, Mangel an Sport und Ausdauer, Übergewicht und schließlich auch die Hitzewelle – weisen insbesondere auf einen Testosteronmangel hin. Darüber hinaus ist eine Verschiebung der Cortisolkurve wahrscheinlich.
Und nun?
In meiner Praxis sind immer wieder Patienten mit Ralfs Symptomen. Die nächsten Schritte wären nun die Erhebung der Hormonwerte, eine Anregung zu regelmäßiger Bewegung, Unterstützung bei der Aufarbeitung der belastenden Themen und eine Life-Style-Korrektur, sowie gegebenenfalls eine medikamentöse Begleitung in Form von beispielsweise homöopathischen oder phytotherapeutischen Hormondrüsenmitteln.
Wichtig: Gerade der Effekt der sportlichen Betätigung ist dabei nicht zu unterschätzen: Einen großen Anteil an der Stabilisierung der Hormonwerte hat die – zu Beginn sehr moderate – sportliche Betätigung, und der damit einhergehende Muskelauf- und Fettabbau!
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