Heute schon getanzt? – In dir drin bestimmt… Hormone für den Zyklus
Der Tanz der Hormone.
Würde man die Aktionen und Interaktionen des gesamten Hormonsystems in die Form eines gesellschaftlichen Tanzes der früheren Jahrhunderte verpacken, dann sähe das, von oben betrachtet, zu Beginn vermutlich ziemlich chaotisch aus – doch das Hormonsystem ist, insofern nichts durcheinandergebracht wurde, eigentlich eine perfekte Choreographie auf unserer Tanzfläche Körper. Wir müssen nur lernen, genau hinzuschauen.
Und selbstverständlich gibt es immer irgendwo irgendeinen Rüpel, der die Pläne der anderen durchkreuzt. Doch dazu gleich mehr.
Die Tänzerinnen
Landläufig bekannt sind jedem die Zyklus-Hauptakteurinnen Progesteron und Östradiol. Wobei, nein, nochmal einen Schritt zurück – die meisten sagen Progesteron und Östrogen, doch es gibt mehr als nur das EINE Östrogen. Was wir meinen, wenn wir über den Zyklus sprechen, ist aber eigentlich das Östradiol.
Wenngleich sie keine Two-Women-Show abliefern, sind diese beiden Hauptakteurinnen jedenfalls sehr relevant, wenn der Zyklus funktionieren soll. Sie modulieren die verschiedenen Phasen: Menstruation und erste Zyklushälfte ( das ist die Follikelphase), dann folgt die Ovulation, (das ist der Eisprung), und im Anschluss folgt die zweite Zyklushälfte (das ist die Lutealphase), welche bis zum Tag vor der nächsten Regelblutung andauert.
Östradiol, ein Hormon, das in den Eierstöcken synthetisiert wird, baut in der ersten Zyklushälfte die Gebärmutterschleimhaut auf und steigt dann zum Eisprung hin stark an. Dies unterstützt das luteinisierende Hormon (LH) dabei, die Ovulation auszulösen. Nach dem Eisprung simmert Östradiol auf einem etwas höheren Spiegel als in der Follikelphase vor sich hin.
Damit überhaupt irgendetwas reif genug ist, was springen kann, gibt es das follikelstimulierende Hormon (FSH). Dies sorgt innerhalb eines Zeitraums von etwa 12 Wochen dafür, dass die Eizelle heranreift und in der letzten Ausreifungsphase, in der Zeit vom ersten Tag der Regelblutung bis zum Eisprung hin, auch wirklich fertig ist.
Progesteron hingegen wartet den Eisprung erst einmal ab, ehe es tätig wird: In der ersten Zyklushälfte ist Progesteron deutlich niedriger als später, ab dem Eisprung steigt es dann jedoch massiv an. Progesteron nennt man auch das Gelbkörperhormon: Es befindet sich im Follikel des gesprungenen, gelblich aussehenden Follikels.
Findet keine Einnistung einer befruchteten Eizelle statt, fällt Progesteron rasant ab und die Menstruationsblutung setzt ein. In der Zwischenzeit, also ab der Ovulation, sorgt Progesteron dafür, dass das Bettchen Gebärmutterschleimhaut für das zu erwartende Baby schön fluffig vorbereitet ist, damit sich die Eizelle auch wohlfühlt, und stellt am Thermostat eine geeignete Temperatur ein. Diese liegt üblicherweise etwa 0,3°C bis 0,5°C, manchmal sogar 1°C über der Temperatur der ersten Zyklushälfte.
HCG (=Humanes Choriongonadotropin) sorgt dafür, dass sich die Eizelle einnistet. HCG steigt dann, wenn die Einnistung funktioniert hat, bis zum Ende des ersten Schwangerschafts-Trimenons exponentiell an und ist, neben eines weiterhin ansteigenden Progesteronspiegels, essentiell für den Schwangerschaftserhalt.
Die Rüpel – oder solche, die es mal werden wollen…
Progesteron und Östradiol haben eine Wechselwirkung mit anderen Hormonsystemen. Sei es, weil sie sich gegenseitig in ihrer Aktivität fördern, wie es beispielsweise bei den Schilddrüsenhormonen oder Histamin der Fall ist, oder sei es, weil die aus diesen Hormonen metabolisierten Hormone davon betroffen sind, wenn die Vorstufe aus dem Gleichgewicht gerät – wie etwa das Kortisol, wofür der Körper sehr gerne Progesteron als Vorstufe nutzt. Aus dem Gleichgewicht geraten klingt nicht so gut, oder? Da kommen die Tänzerinnen ins Taumeln. Vielleicht fangen sie sich wieder. Vielleicht aber auch nicht.
Probleme, die den Tänzerinnen quasi ein Bein stellen, können Stress, Medikamente, hormonelle Kontrazeptiva, Dysbalancen anderer Hormondrüsen, Störungen in der Leber und dem Darm sein, oder anderes mehr.
Und nicht zu vergessen: Die Nährstoffe. Damit Hormone überhaupt gebaut werden können, benötigt der Körper die richtigen Bausteine. Einer davon ist Magnesium, aber auch die B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren und andere Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren mehr benötigt der Körper, um nicht nur das Steroidhormonsystem auszustaffieren, sondern das gesamte Hormonsystem und die zugehörigen Enzyme. Passiert das nicht, ist das, als würden unsere Tänzerinnen verhungern und just auf der Tanzfläche zusammenbrechen. Reagiert man schnell und führt die benötigten Nährstoffe zu, gelingt die Reanimation. Je mehr Tänzerinnen jedoch darniederliegen, desto weniger wird die Choreographie gelingen.
Die Choreographie: Unser Zyklus
Die Länge eines Zyklus ist individuell, die im Schnitt häufigste Zyklusdauer beträgt 27 Tage. 2 Tage mehr oder weniger als Schwankung ist völlig normal. Alles unter 22 Tagen oder über 35 Tagen Zyklusdauer könnte auf Probleme im Zyklus hindeuten.
Damit die Choreographie, die unser Zyklus ist, funktioniert, sollte sie einerseits so wenig wie möglich gestört werden. Das bedeutet, Flitzer, Rüpel und Co wie Stress, Fehlernährung, Inflammationen etc. müssen möglichst von der Tanzfläche ferngehalten werden. Andererseits muss für eine gute Nährstoff-Versorgungslage der Tänzerinnen gesorgt werden. Dafür ist zumeist die Kombination aus gesunder Ernährung und Supplements besonders geeignet. Reicht das nicht aus, sollte mit erfahrenen Therapeut*innen eine Therapie begonnen werden, um den Einklang möglichst wieder herzustellen.
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