Keine Pille!? Was dann?
Die Folgen der Antibaby-Pille und anderer hormoneller Kontrazeptiva…
…haben wir bereits im letzten Blog thematisiert. Habt ihr euch davon schon erholt? Spaß Beiseite – der riesige Vorteil, den die hormonellen Kontrazeptiva gebracht haben, ist ein von Baby-Gedanken ungestörtes, oder, sagen wir, weitestgehend ungestörtes, Sexualleben, mit freiem Spaß, wann und wo frau wollte. Wobei, so ganz ungestört kann es eigentlich für niemanden gewesen sein: Die Geschlechtskrankheiten lassen sich von hormonellen Verhütungsmethoden nicht vertreiben. Trotzdem steigt die Zahl der Personen mit Neuinfektionen an diversen Geschlechtskrankheiten kontinuierlich seit Jahren an, eine Infektion mit Syphilis beispielsweise ist in den letzten 20 Jahren um knapp 1.000% (in Worten: tausend Prozent) angestiegen. Aber einen Lichtblick gibt es ja doch – wie in meinem letzten Blog beschrieben ist das Kondom zwischenzeitlich wieder das führende Verhütungsmittel. Zu Recht, wie ich finde – ist es schließlich DAS Verhütungsmittel, welches effektiv vor Geschlechtskrankheiten schützen kann.
Aber er will das Kondom doch nicht!?
Gehört der Satz nicht schon längst in die Mottenkiste? Sagt das wirklich noch wer? Leider ja, wie mir immer wieder in der Praxis berichtet wird, und oft im gleichen Atemzug mit der Frage: „Aber du nimmst doch die Pille!?“ Für mich persönlich stellt schon die Grundeinstellung hinter diesen Sätzen ein Problem dar: Wird hier doch suggeriert, dass ein Baby das Schlimmste der Welt sei, während so ein bisschen HIV oder Tripper doch gar kein Problem ist…
Fakt ist: Solange es keinen Labornachweis darüber gibt, dass der/die Partner*in frei von Geschlechtskrankheiten ist, geht kein Weg am Kondom* vorbei. Ohne Kondom sollte man wirklich, wirklich! nur verhüten, wenn man mit einer Person in einer langfristigen Beziehung ist, und es eben diesen Labornachweis gibt. „Und dann muss man hoffen, dass die andere Person nicht fremdgeht, ungeschützt…“, kommentierte eine Patientin mal trocken. Ja, naja. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Barriere! Errichtet eine Barriere!
Andere Verhütungsmethoden, außerhalb des Bereichs von hormonellen Kontrazeptiva oder Kondomen, gibt es einige. Zum Beispiel im Bereich der Barrieren. Dies wären etwa das Diaphragma und verschiedene Weiterentwicklungen, welche vor dem Sex in die Scheide eingeführt und vor den Muttermund gesetzt werden. Sie müssen in der richtigen Größe gekauft, ggf. von einer Fachkraft angepasst, und schließlich oft gemeinsam mit einem Spermizid (ein Produkt, welches Spermien abtötet) verwendet werden. Die Verhütungsschwämme sitzen ebenfalls vor dem Muttermund, manche enthalten zudem in ihrem Inneren ein Spermizid. Der Pearl-Index (=Zahl der Frauen von 100, die mit dieser Verhütungsmethode schwanger wurden) des Schwamms liegt bei um die 10, beim Diaphragma alleine bei 1-20, mit Spermizid bei etwa 3, nur ein Spermizid 3-21, beim Kondom (manche enthalten ebenfalls Spermizide) bei 2-12. Zumeist erhöhen Anwenderfehler den Pearl-Index-Wert.
Wichtig: Sie alle können – richtig angewendet, wie es immer so ist – vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen, jedoch nicht vor Geschlechtskrankheiten.
natürliche Messmethoden
Beobachten man seinen Zyklus, am besten über eine Kombination von Muttermundbewegung (im Zyklus verändert sich die Höhe und Festigkeit), Zervixschleimveränderung (es verändert sich die Konsistenz) und Körper-Basal-Temperatur (nach dem Eisprung steigt die Kurve an), können die meisten Frauen ziemlich genau bestimmen, wann ihre fruchtbaren Tage sind und in diesen Tagen gezielt z.B. mit dem Kondom verhüten, und an den anderen Tagen unbeschwerten Sex erleben. Dies setzt allerdings genaue Beobachtungsgabe und einen strukturierten Alltag voraus und ist deshalb in den meisten Fällen eher in der Kinderwunschzeit interessant. Exaktere Ergebnisse können einem Hormon-Computer geben, welche verschiedene Werte erheben, und daraus Ableitungen treffen, wie fruchtbar Frau gerade ist. Dadurch ist eine genauere Information über den Zykluszeitpunkt erhältlich, welche zur Verhütung genutzt werden kann.
Wichtig ist bei all diesen Methoden, dass für gewöhnlich tägliche Messungen durchgeführt werden müssen. Ohne exakte Einhaltung dürfte diese Variante nicht für jede*n das richtige sein.
weitere Möglichkeiten
Es gibt die Kupferspirale und auch die Kupferkette, die im Uterus eingesetzt werden. Beide verhindern im Uterus die Einnistung der befruchteten Eizelle. Da es jedoch ein Metall ist, und es zu Veränderungen in der Gebärmutterschleimhaut kommen kann, werden diese Systeme oft nur bei Frauen angewendet, die bereits Kinder geboren und keinen Kinderwunsch mehr haben. Dies gilt übrigens auch für die Sterilisation der Frau, allerdings ist dies eine eher endgültige Lösung: Die Eileiter werden abgebunden, wodurch die Eizellen nicht mehr in die Uterushöhle gelangen, und auch von den Spermien nicht mehr erreicht werden können. Allerdings besteht hier die Gefahr, dass die Blutgefäße, welche den Eierstock versorgen, verletzt werden. Hierdurch kann eine Einstellung der ovariellen Tätigkeit, mit verfrüht einsetzenden Wechseljahren folgen. Die Sterilisation des Mannes ist die Durchtrennung des Samenleiters, wodurch im Ejakulat keine Spermien mehr enthalten sind. Mit dem bloßen Auge ist das nicht erkennbar. Auch dieser Eingriff stellt eine dauerhafte Verhütungsmethode dar.
Achja – der Koitus-interruptus… Der Mann zieht hoffentlich rechtzeitig seinen Penis vor der Ejakulation aus der Scheide. Vorher können jedoch schon die Lusttropfen, welche in die Scheide beim Sex vom Penis mit eingeführt werden, bereits Spermien enthalten, welche zu einer Schwangerschaft führen können. Dass das keine sichere Verhütungsmethode darstellt, muss ich wohl kaum extra betonen.
Was nun?
Ich kann nur jeder und jedem raten, sich umfassend über die einzelnen Methoden, die grundsätzlich in Frage kommen, zu informieren, um das für sich passendste auszusuchen. Wir haben das Glück, auf einen riesigen Markt zugreifen zu können. Lasst uns das doch nutzen! Jede findet eine gute Alternative zur Pille, da bin ich mir sicher.
* Kondom & Co:
- das herkömmliche Kondom, welches über den erigierten Penis gestreift wird
- das Frauenkondom, welches in die Scheide eingeführt wird, die Öffnung wird außen über den Schamlippen liegt
- bei oraler Befriedigung der Frau kann ein Lecktuch zur Anwendung kommen, damit safer sex gewährleistet ist
- sollte mit den Fingern nacheinander das eigene Geschlechtsteil und anschließend das des Gegenübers angefasst werden besteht Ansteckungsgefahr! Man kann allerdings Fingerlinge oder Latexhandschuhe verwenden und vor jedem Wechsel der Örtlichkeit austauschen
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