Nichts geht – und nicht einmal das richtig! … Wie man Hormonstörungen erkennt.
Das Chamäleon.
Zugegeben: Eine hormonelle Dysbalance ist nicht so leicht zu erkennen wie ein Knochenbruch oder ein Schlaganfall (um es nicht unerwähnt zu lassen: FAST ist die Faustformel zur Schlaganfallerkennung. Dabei stehen die englischen Worte „fast“ (= schnell) für schnelles Handeln; face (= Gesicht) für die Überprüfung, ob die Gesichtsmimik noch funktioniert, z.B. Stirnrunzeln und lächeln; arms (= Arme) dafür, ob beide Arme noch gleichmäßig angehoben werden können; speech (= sprechen) für die Möglichkeit, zu sprechen und dabei auch sinnvolle Sätze zu bilden; sowie time (= Zeit) dafür, dass man den Rettungsdienst über die Telefonnummer 112 oder den Shortcut auf jedem – auch gesperrtem! – Handy so schnell wie möglich wählen sollte!).
Allerdings könnte ein Schlaganfall oder anhaltende Hypertonie durchaus eine Folge von hormonellen Störungen sein, wenngleich diese nicht zwingend vorausgehen. Doch eine Östradioldominanz kann die Gerinnungsleistung des Körpers erhöhen, und eine Cortisolhochlage eine Hypertonie auslösen.
Tatsächlich kann eine Hormonstörung ein richtig gut getarntes Chamäleon sein, wenn man nicht weiß, wo genau man hinschauen muss.
Das Hormonsystem spielt fast überall mit.
Das muss uns klar sein. Das Hormonsystem ist hochkomplex, und es läuft nicht nur linear ab von Steuerdrüse zu Befehlsempfänger-Drüse, sondern es interagiert: Mit anderen Drüsen, mit Organen. Ausgeschüttete Hormone beeinflussen nicht nur die offensichtlicheren Wirkeffekte wie beispielsweise Progesteron den fruchtbaren Zyklus. Progesteron unterstützt u.a. eine gute Schilddrüsenaktivität, und Cortisol ist nicht bloß unser Stress-Hormon, sondern bekämpft überdies unsere körpereigenen Entzündungen. So könnten wir nun schier endlos weitermachen, denn das Hormonsystem hat bei so gut wie jedem Ablauf irgendeinen Finger drin – wenn nicht gar die ganze Hand.
Dabei winkt das Hormonsystem nicht gerade mit einer riesigen Flagge, um auf sich aufmerksam zu machen – Ausnahmen gibt es selbstverständlich, wie etwa Zyklusstörungen. In den meisten Fällen arbeiten die Hormone jedoch eher leise, still und unerkannt. Im Hintergrund. Halten alles am Laufen.
Und wenn es kippt?
Dann fällt es nicht laut kreischend in den nächsten Abgrund, sondern klammert sich an das, was noch funktioniert, und verabschiedet sich lautlos und schleichend langsam von seinen Funktionen und Abläufen, die nicht mehr zu halten sind. Aufgrund dieses Effekts ist es oft schwierig zu erkennen, wann denn die Problematik begann.
Schlagkräftige Hinweise?
Ja, die gibt es dennoch. Alle Zeichen von Nährstoffmängeln sind bereits Hinweise darauf, dass das Hormonsystem schon zu kämpfen haben dürfte: Viele Nährstoffe sind essentiell dafür, dass die Hormone überhaupt gebildet werden können. Dies trifft alle Nährstoffgruppen: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Aminosäuren… So benötigt der Körper beispielsweise Magnesium zur Bildung von u.a. Serotonin, Östradiol oder Cortisol, Vitamin B6 für u.a. Dopamin, Adrenalin oder auch Melatonin, L-Tyrosin für den Aufbau der Schilddrüsenhormone oder auch Dopamin. Bei einem Mangel des Baustoffs ist es völlig logisch, dass die Synthese nicht stattfinden kann: Wer eine Mauer bauen will, benötigt Steine – sonst klappt es nicht.
Außerdem zeigen sich hormonelle Dysbalancen oft in einem Potpourri an verschiedenen Erkrankungen und Symptomen, die Personen haben „immer etwas anderes“ oder verschiedene chronifizierte Zustände wie etwa Hypertonie, Burn-Out, Inflammationen, Schmerzen der Gelenke und/oder Muskulatur, Schwindel, Gewichtsprobleme, Migräne, unerfüllter Kinderwunsch, Zyklusstörungen usw. Hinweisend können ebenfalls eine immerwährende Müdigkeit, mangelnder Antrieb (körperlich oder psychisch), Haarausfall, Ödembildung, körperliche Schwäche, Wundheilungsstörungen etc. sein.
Hormone und Darm
Die beiden sind ein gutes Team. Ein gut funktionierender und besiedelter Darm ist für das Hormonsystem unerlässlich – denn von hier bezieht es seine Produktionsmaterialien. Ist der Darm krank, wird früher oder später das Hormonsystem ebenfalls Probleme bekommen. Somit wäre auch eine Darmstörung ein Hinweis darauf, dass eine hormonelle Dysbalance entstehen kann bzw. bereits entstanden ist.
Zu Anfang sollten Betroffene herausfinden, ob – und wenn ja in welchem Bereich – Nährstoffdefizite vorliegen. Diese sollten gezielt mit 100% des Tagesbedarfs über Supplements ausgeglichen werden. Klingt komisch? Ist aber so: Es kann tatsächlich ausreichen, die Baumaterialien zu liefern, damit der Körper wieder in eine Eigenkompetenz und Syntheseleistungsfähigkeit zurückfindet.
Das Hormonsystem hat viele Facetten, viele Gesichter – und die Therapie der Hormonstörung bedarf einiger Fein- und Aufräumarbeit. Wer also über die Nährstoffzuführung hinaus noch immer den Verdacht hegt, an einer Hormonstörung zu leiden, sollte sich frühzeitig Rat bei einer auf das Hormonsystem geschulten Person einholen, da es für Laien oft schwierig ist, die eigenen Symptome zu sortieren und festzustellen, an welchen Stellen das Hormonsystem hakt und welchen Support der eigene Körper benötigt.
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